Kommentar von Raiffeisen Research:
Sinkende Ölpreise und mögliche Friedensschritte könnten Inflation dämpfen und den ATX® beflügeln – trotz bekannter Risiken bleibt Zuversicht.
Es gibt wieder Hoffnung. Schaffen es die USA und der Iran tatsächlich, sich weiter in Richtung eines „Deals“ zu verständigen (und funkt ihnen Israel nicht zu sehr dazwischen), dann wäre dies für Europa – und nicht zuletzt auch für Österreich – eine noch bessere Nachricht als für die USA selbst, die als Netto-Ölexporteur dem Konflikt im Nahen Osten durchaus auch eine wirtschaftlich positive Sicht der Dinge abgewinnen können. Österreich als Nettoimporteur von Energie darf sich zunächst einmal freuen. Allein der im ersten Schritt vollzogene Rückgang der Erdölpreise auf weniger als USD 80 für ein Fass der Nordseesorte Brent würde, wenn die Ölpreise nicht zwischenzeitig wieder ansteigen, die schlimmsten Befürchtungen in Sachen Inflationsanstieg und Wachstumsrückgang zunichtemachen. Weitere Revisionen der Schätzungen wären also – wenn überhaupt – eher zum Positiven hin zu setzen. Überdies könnte die EZB in ihren kommenden Zinssitzungen Ruhe bewahren und müsste nicht unbedingt mit weiteren Zinserhöhungen „nachlegen“. All das hat jüngst den ATX® insgesamt in neue Höhen gehievt, wobei speziell die Finanzwerte mit neuen Mehrjahres-Höchstständen hervorstachen. Das alles gibt Hoffnung auf mehr dergleichen.
Andererseits ist damit allerdings auch schon wieder viel Positives an Erwartungen in die Kurse eingepreist, das sich so erst einmal bewahrheiten muss. Raiffeisen Research geht zwar grundsätzlich davon aus, dass (fast) alle Seiten weiter an einem möglichst baldigen Ende der Kämpfe und Blockaden interessiert sein müssen. Die Armada an potenziellen Stolpersteinen ist aber hinlänglich bekannt und Trumps „Deal“ in der Gesamtheit bei weitem noch nicht in trockenen Tüchern. Zumal der US-Präsident für seine Republikaner aber im Herbst in den USA Wahlen zu schlagen hat und mit mehr Inflation und potenziell weniger Wachstum wohl kaum den aktuell gegebenen Rückstand auf die Demokraten in den Umfragen aufholen können wird, ist davon auszugehen, dass er bei einem allfälligen Deal auch schmerzliche Zugeständnisse in Kauf nehmen könnte – und die Sache selbstverständlich dennoch als den erfolgreichsten Deal aller Zeiten verkaufen würde. Erfolgreich für wen? Egal, man hat schon beim G-7-Treffen in Evian gesehen, dass sich das Augenmerk (auch) wieder auf den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine richtet und als nächster Schritt dort ein wenig mehr Druck in Richtung Waffenstillstand aufkommen sollte. Österreichs Wirtschaft (und Unternehmen) soll’s recht sein. Man wäre für Wiederaufbaumaßnahmen im nicht allzu weit entfernten Land gut gerüstet.
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