Kommentar von Raiffeisen Research:
Trotz steigender Energiepreise und geopolitischer Risiken zeigt der ATX® Resilienz, während Anleger auf eine baldige Konfliktlösung und fallende Ölpreise hoffen.
Kaum bewegen sich in Österreich Konjunktur und Inflation – wie prognostiziert – sichtbar in die richtige Richtung (nämlich erstere nach oben und zweitere sogar deutlich nach unten), bricht das nächste Ungemach über Wirtschaft und Kapitalmärkte herein. Nach dem Angriff der USA und Israels auf den Iran schafft es dieser nachhaltiger als gedacht den Schiffsverkehr in der wichtigen Seefahrtsstraße von Hormus weitgehend zum Erliegen zu bringen. In der Folge springt der Ölpreis nach oben, was unverzüglich Sorgen vor einem neuerlichen Inflationsanstieg sowie potenziellen Konjunkturbelastungen schürt.
Für den ATX® ergeben sich alleine schon über dessen Sektorkomposition in Zeiten erhöhter Energiepreise Nachteile: Erstens ist er stärker in konjunktursensitiven und zinsanfälligen Bereichen wie Industrie oder Finanzwerte gewichtet. Zweitens war er nach den kräftigen Kursanstiegen der Monate zuvor „anfälliger“ für Gewinnmitnahmen. Drittens ist Österreich als Nettoimporteur von Energie deutlich stärker von steigenden Energiepreisen getroffen als etwa die USA. Wenn man also die Dinge negativ sieht und an eine mehrmonatige Sperre der Straße von Hormus glaubt, dann gibt es gute Gründe, Österreichs Aktienmarkt mit Vorsicht zu begegnen.
Aber wo stehen wir sieben Wochen nach Ausbruch des Konflikts im Nahen Osten? Jedenfalls auf einem ATX®-Indexstand über (!) den Niveaus vor Ausbruch der kriegerischen Handlungen. Das ist einerseits sehr positiv und zeigt einmal mehr die unglaubliche Resilienz der Aktienmärkte auch in schwierigen Zeiten. Andererseits ist damit allerdings auch schon wieder viel Positives in die Kurse eingepreist, das sich so erst in möglichst naher Zukunft bewahrheiten muss. Raiffeisen Research geht zwar grundsätzlich davon aus, dass (fast) alle Seiten an einem möglichst baldigen Ende der Kämpfe und Blockaden interessiert sein müssen. Am wenigsten vielleicht Israel, am allermeisten aber wohl ausgerechnet dessen Verbündeter Donald Trump, der im Herbst in den USA Wahlen zu schlagen hat und mit mehr Inflation und potenziell weniger Wachstum wohl kaum den aktuell gegebenen Rückstand auf die Demokraten in den Umfragen aufholen können wird.
Es dreht sich also alles um die Frage, wann der Konflikt einigermaßen beigelegt und die Straße von Hormus für die Schifffahrt weitestgehend geöffnet werden kann. Dann sollten auch die Energiepreise nach und nach sinken. Gefahren für Inflation und Konjunktur würden sich folglich primär für das laufende Jahr 2026 ergeben und im Anschluss wieder ausgepreist werden. Darüber könnten die ATX®-Anleger getrost hinwegschauen, was sie de facto bereits den April hindurch bis dato getan haben.
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